Politik und Sozialwissenschaften ► Demokratie im Dialog – Herbert Reul besucht das SGW
Demokratie im Dialog – Herbert Reul besucht das SGW
25.06.2026 | Politik und Sozialwissenschaften, Veranstaltung
„Mal ein kleines Beispiel …“ – Mit diesen Worten begann Herbert Reul häufig, wenn er eine große politische Frage anhand einer konkreten Erfahrung aus seinem Arbeitsalltag erklärte. Der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen war diese Woche zu Gast am SGW und stellte sich den Fragen unserer Schülerinnen und Schüler. Dabei gab er persönliche Einblicke in seine tägliche Arbeit und ging offen in die Diskussion.
Der Besuch wurde von der SV in Zusammenarbeit mit der Fachschaft Sozialwissenschaften vorbereitet und richtete sich an die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10, EF und Q1. Zu Beginn begrüßte der Innenminister die Schülerinnen und Schüler und erinnerte an seine eigene Zeit am Gymnasium Wermelskirchen: Von 1981 bis 1985 hatte er hier für einige Jahre die Fächer Sozialwissenschaften und Pädagogik unterrichtet.
Anschließend sprach er zum Thema „Gefahren für die Demokratie“. Seinen Vortrag hielt er bewusst kurz: In etwa zehn Minuten stellte er sich und seine Arbeit als Innenminister vor und ging auf aktuelle Herausforderungen beim Schutz der Demokratie ein. Dann leitete er zügig zur Fragerunde über. Ihm sei es wichtig, nicht nur zu erzählen, sondern vor allem mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.
Durch die anschließende Fragerunde führten Alexander Hibst und Joleen Schäfer. Zunächst griffen sie Themen auf, die die Sozialwissenschaftskurse im Vorfeld gesammelt hatten. Schon dabei wurde deutlich, wie breit das Spektrum der Fragen war: Es ging um das Zusammenspiel von Demokratie und Digitalisierung, um die Auswirkungen von Fake News auf die Meinungsbildung und um die Frage, warum ein Teil der Bevölkerung das Vertrauen in die Politik verloren habe.


Herr Reul ließ sich auf alle Fragen ein und bezog klar Stellung. Dabei griff er immer wieder auf seine Erfahrungen aus den vergangenen neun Jahren als Innenminister zurück und sprach Themen an, die ihm besonders wichtig sind: die Bekämpfung von Extremismus an den politischen Rändern, Clankriminalität, Kindesmissbrauch sowie die zunehmende Verlagerung von Kriminalität in den digitalen Raum.
Im Verlauf des Gesprächs kamen immer mehr spontane Fragen aus der Schülerschaft hinzu. Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, den Innenminister auf Themen anzusprechen, die sie besonders beschäftigen. Diese Fragen waren vielfältig, tiefgehend und teilweise auch unbequem. Herr Reul wich ihnen nicht aus und machte seine Standpunkte deutlich: Sollte KI-Technik im Stadion eingesetzt werden? Wie geht man mit Polizeigewalt um? Wie steht es um die Neutralitätspflicht von Lehrerinnen und Lehrern? Und was hält Herbert Reul von der vielzitierten „Stadtbild“-Aussage des Bundeskanzlers?



Dem Innenminister war es zugleich wichtig zu betonen, dass auch er nicht auf alle Fragen eine fertige Antwort habe. Vieles müsste im politischen Prozess gefunden werden. Besonders deutlich wurde das bei Themen, bei denen es um das Recht des Staates geht, persönliche Freiheiten einzuschränken – zum Beispiel in der Diskussion über ein mögliches Social-Media-Verbot für Jugendliche.
Beim Thema Rentenreform räumte der Minister offen ein: „Da bin ich kein Fachmann für.“ Umso wichtiger sei aus seiner Sicht, dass es in diesem konkreten Fall gelungen sei, auf eine komplexe Frage eine gemeinsame Antwort zu finden, die alle Regierungsparteien mittragen – ohne dabei in Streit zu verfallen. Genau das halte er für gut und wichtig. Aus Sicht von Herbert Reul ist Handlungsfähigkeit ein zentraler Beitrag gegen den wachsenden Extremismus. Politik habe die Aufgabe, die Herausforderungen der Zeit zu erkennen und zu lösen. „Wir müssen jeden Tag zeigen, dass wir das können“, so der Minister.
Eine weitere Botschaft war ihm besonders wichtig: Den Rechtsstaat kann man nicht allein verteidigen. Damit Demokratie gelingen kann, müsse jeder Einzelne wachsam bleiben und für die Prinzipien des Grundgesetzes eintreten.
Die anwesenden Schülerinnen und Schüler des SGW zeigten während der gesamten Veranstaltung eine aufmerksame und kritische Haltung. Damit machten sie deutlich, dass sie bereit sind, die Worte des Innenministers ernst zu nehmen und im Alltag mit Leben zu füllen. Die Veranstaltung war nicht nur für sie ein voller Erfolg. Auch Herr Reul zeigte sich zum Abschluss angetan und bemerkte trocken: „Ich muss jetzt zum Finanzminister. Ich würde lieber hier bleiben.“
Die 90 Minuten vergingen trotz der großen Hitze wie im Flug. Zum Abschied und als Dankeschön erhielt der Innenminister von Frau Persian noch einen „Wermelskirchener Gruß“ mit Pralinen von Café Wild sowie eine Chronik des SGW.
Unser Dank gilt der SV und der Fachschaft Sozialwissenschaften, insbesondere Herrn Fröhlingsdorf, für die Organisation der Veranstaltung. Sie hat unseren Schülerinnen und Schülern die besondere Gelegenheit gegeben, mit einem Spitzenpolitiker der Landespolitik direkt ins Gespräch zu kommen.